Bürgermahl 2016

Bundesfinanzminister a.D.  Dr. h.c. Peer Steinbrück Festredner beim Bürgermahl 2016:   „Finanzkrise(n) – Ereignis oder Zustand ?“

Siegerehrung und Preisverleihung im Schulwettbewerb „Ganztag – so machen wir das !“

 

Die Bürgerstiftung hatte jetzt bereits zum elften Mal zum Bürgermahl eingeladen. Erfreut konnte Vorstandsvorsitzender Rolf Watermann bilanzieren, dass die Besucherzahl nach dem  guten Vorjahresergebnis noch einmal angestiegen sei: rd. 170 Besucher waren der Einladung in den „Gasthof Vehlen“ , dem vor kurzem nach aufwendigem Umbau und grundlegender Sanierung eröffneten Veranstaltungszentrum, gefolgt. 

 

 

 

 

 

 

 

Es sei müßig, so seine Einleitung, ob die hohe Nachfrage dem prominenten Gastredner, den wunderschön hergerichteten neuen Räumen oder aber der Stiftung und ihrer Idee geschuldet sei – die wesentliche Schlussfolgerung laute: das Bürgermahl als Benefizveranstaltung sei kraft des großen Zuspruchs bereits ein schöner Erfolg.

 

Grußworte von Landrat Jörg Farr und Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer stellten die Bedeutung von Bürgerstiftung und Ehrenamt heraus und verliehen der Hoffnung Ausdruck, dass diese unabhängig von der Niedrigzinsphase auch weiterhin fördernd tätig sein möge – das Bürgermahl trage mit seinem großen Besuch einen nicht unerheblichen Teil dazu bei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anschließend widmete sich Rolf Watermann dem Gastredner Peer Steinbrück. Zu Beginn des Abends sei er doch ein wenig unter Druck geraten , schließlich hatte der Gast des Abends mit diversen Störungen im Bahnbetrieb zu kämpfen und kam später als geplant. Also stellte Watermann den früheren Finanzminister in kurzen Worten vor und streifte die Stationen von dessen politischer Laufbahn nur auszugsweise. Drei Ereignisse waren in seinem persönlichen Rückblick allerdings besonders herauszuheben: der gemeinsame Auftritt Steinbrücks als Finanzminister mit Kanzlerin Merkel vor der Hauptstadtpresse auf dem Gipfel der Finanzkrise mit der Aussage, die Spareinlagen der Bürger seien sicher, die „Kavallerie“ , mit der man zur Bekämpfung grenzüberschreitender Steuerhinterziehung einfach mal drohen müsse und die Abschiedsrede des MdB Steinbrück Ende September mit dem bildhaften Vergleich zur Verteilung von „Sumpfhühnern“ und „Schlaubergern“ in Parteien, Parlament und Gesellschaft.

 

Der Festredner des Abends schlug unter seinem Vortragstitel „Finanzkrise(n) – Ereignis oder Zustand ?“ einen großen Bogen von den Ursachen der Krise bis zu den bis heute andauernden Auswirkungen – ein Ende der problematischen Verhältnisse ist danach nicht absehbar.

Eine weitgehende Deregulierung mit dem angeblich effizienteren freien Spiel der Marktkräfte auf allen Märkten, der Wegfall politischer Systemkonkurrenz mit dem Ende des Eisernen Vorhangs und die Hoffnung, mit der daraus resultierenden Friedensdividende zu einer weltweiten Wohlstanderhöhung zu kommen, bestimmten die Ausgangslage.

Im Nachhinein sind die Entwicklungen allerdings anders zu beurteilen: ein selbst in Europa zu beobachtender Trend zur Renationalisierung, zu – und nicht abnehmende Ungleichheiten in der Wohlstandsverteilung besonders zwischen Industrie- bzw. Entwicklungsländern und wiederaufbrechende Konflikte entlang der früheren Machtblöcke mit dem vor geraumer Zeit kaum für realistisch gehaltenen Einsatz militärischer Mittel wie auf der Krim oder im Nahen Osten schaffen völlig neue, eigentlich überwunden geglaubte Spannungen.

Alle diese Entwicklungen schlagen auf die Güter – und Kapitalmärkte durch. Zusätzlich sind auf den Kapitalmärkten die Folgen einer überzogenen Deregulierung zu konstatieren. Die Entkopplung der Finanzmärkte von der Realwirtschaft hat zu einem riesigen Volumen von Derivaten geführt – Wetten auf Entwicklungen und Ereignisse mit z.T. hochspekulativem Charakter, die das Volumen des weltweiten Sozialproduktes um ein Vielfaches übersteigen.

Die zahlreichen Skandale in der Welt der Banken und Finanzkonglomerate waren ein weiterer Aspekt: systemrelevante und dadurch für den Bestand des Finanzsektors potentiell gefährliche Institute seien eher noch größer geworden als vor der Krise, Risikoignoranz und kritikwürdiges Geschäftsgebaren seien nach wie vor zu beobachten. Im Falle des Scheiterns, so Steinbrück, schaue man wohl doch wieder auf den Staat – genau dieses, so die Erfahrung aus der Finanzkrise mit den ihr folgenden Gesetzgebungen, sollte auf jeden Fall ausgeschlossen sein: Entscheidungen und ihnen folgende Risiken gehören zusammen und sind von den Unternehmen zu tragen.

Viele Spekulationsinstrumente waren früher unzulässig, zumindest in einem Teil der Welt. Es stelle  sich also die Frage, ob der Gesetzgeber oder die Aufsicht hier wieder mit Untersagungen oder Limitierungen eingreifen müsse. Allerdings setze die Wirksamkeit von begrenzenden Maßnahmen angesichts der liberalen Wirtschaftsordnung Abstimmungen über die Länder-bzw. EU- Grenzen voraus – ein angesichts der unterschiedlichen Ausgangslage in den einzelnen Ländern schwieriger und zeitraubender Prozess.

Einige Fragen aus dem Publikum ergänzten den spannenden, pointenreichen und unterhaltsamen Vortrag. Allerdings, so bemerkte ein Fragesteller, hätte es der Gastredner mit seiner Analyse nicht vermocht, ihm die begründete Erwartung einer grundsätzlich positiven Entwicklung zu vermitteln – Peer Steinbrück verwies mit einem Lächeln auf die geschilderten Fakten…Begeisterter und langanhaltender Beifall des Publikums belegte, dass der Festredner die großen Erwartungen der Besucher erfüllt hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Stiftungsratsvorsitzender Gebhard Hitzemann dankte Peer Steinbrück für seine Ausführungen und dafür, dass er sich trotz nach wie vor übervollen Terminkalenders in den Dienst der guten Bürgerstiftungssache gestellt habe. Schließlich weise auch er eine begrüßenswerte Nähe zur Idee der gemeinnützigen Stiftungen auf: Steinbrück ist in den Kuratiorien der Deutschen National-Stiftung und der Zeit-Stiftung vertreten. Als kleines Dankeschön überreichte Hitzemann dem Redner des Abends ein Buchpräsent aus dem und über das Schaumburger Land - nicht ohne zu erwähnen, dass das eigentlich eine Aufforderung sein solle, das Schaumburger Land zu besuchen. Anschließend ging man zum gemeinsamen Essen über; Themen zu angeregten Diskussionen an den Tischen gab es nach dem Vortrag reichlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen weiteren Höhepunkt des Abends verkündeten dann Peter Bekricht vom Stiftungsvorstand und Christian Meyer, langjähriger Vorsitzender des Stiftungsrates – beide früher erfahrene „Schulmeister“: Schulleiter der eine, Regierungsschuldirektor der andere.

Die Bürgerstiftung hatte erneut einen Wettbewerb für die heimischen Schulen ausgeschrieben: „Ganztag – so machen wir das !“ Es ging um Ideen, Konzepte und Verfahren, wie die Schulen mit dem neuen Ganztagbetrieb umgehen. Eine Wettbewerbsjury hatte sich intensiv mit den eingereichten Unterlagen auseinandergesetzt, die teilnehmenden elf Schulen besucht und sich jeweils vor Ort über Details unterrichten lassen. Zum guten Schluss gab es die Entscheidung: die Grundschule Nord in Rinteln, die Gesamtschule Helpsen und die IGS Rodenberg gingen als Sieger aus dem anspruchsvollen Wettbewerb hervor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christian Meyer, Peter Bekricht und Peer Steinbrück überreichten unter dem Beifall der Gäste Urkunden und Geldpreise an die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der siegreichen Schulen.